Fragen und Antworten

Ist Montessori-Pädagogik für alle Kinder geeignet?

Anerkannte Studien belegen, dass die Montessori-Pädagogik dem Lernverhalten aller Kinder entgegen kommt. Sie eignet sich für Kinder mit allen Begabungsrichtungen. Sie bietet einen Weg, auf dem sich in gleicher Weise die Schwachen stärken und die Begabten weiter entwickeln können. Montessori Pädagoginnen und Pädagogen sind bestrebt, den Verstand, die Kreativität und die Persönlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler gleichgewichtig zu entwickeln und auf ihre jeweiligen Entwicklungsstufen bestmöglich einzugehen.


Stimmt es, dass in Montessori-Klassen alle Jahrgänge gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden?

Ja, die Schülerinnen und Schüler werden in altersgemischten Gruppen unterrichtet. Zahlreiche Studien der Entwicklungspsychologie belegen (siehe u.a. Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe), das Lernen in Altersmischung die optimalste Form des Lernens darstellt. Diese Durchlässigkeit ermöglicht es den Kindern, ganz nach ihren Fähigkeiten zu lernen. Ein mathematisch begabtes Kind kann zum Beispiel schon die Lernziele einer höheren Schulstufe bearbeiten, während es in Deutsch altersentsprechend lernt.

Unterschiedliche Lernstände sind eine Chance, um Verantwortung füreinander und für sich selbst zu übernehmen. Jahrgangsgemischte Klassen ermöglichen ein Lernen voneinander und stärken das soziale Lernen. Wie in einer familiären Situation, durchläuft jedes Kind dabei verschiedene Rollen: als Nachahmer, als Fortgeschrittener und als Vorbild. Hinzu kommt: „Durch nichts lernen die Kinder mehr als durch das Lehren anderer.“ (Maria Montessori)


Erfüllen die Kinder beim Besuch des Montessori-Unterricht den Lehrplan der österreichischen Volksschulen?

Montessori-Klassen müssen sich genauso an den Lehrplan halten wie Regelklassen. DieHerangehensweise ist eine andere.


Wir wünschen unseren Kindern eine Ausbildung, welche sie auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereitet. Welche Ausbildung fordert die Wirtschaft für junge Menschen?

Gesellschaft und Arbeitswelt ändern sich rasant. In den letzten Jahren hat sich die Berufswelt in Bezug auf Anforderungen an Arbeitskräften grundsätzlich geändert. Selbstständigkeit, soziale Kompetenzen, Kreativität, lebenslanges Lernen stehen immer mehr im Vordergrund. Und genau auf diesen Kompetenzen liegt der Schwerpunkt bei Montessori.


Montessori-Klassen verzichten weitgehend auf Bewertungen. Ist das sinnvoll? Wie können Eltern und Kinder wissen, wo die Schülermit ihren Leistungen stehen?

Ziffern-Noten geben nur beschränkt Auskunft über die erbrachten Leistungen. Sie lenken das Interesse des Lernens hauptsächlich auf die Bewertung selbst, anstatt die Bereitschaft zu fördern, sich kritisch mit den Ergebnissen der eigenen Arbeit auseinander zu setzen. Sie unterstützen konkurrenzbetontes Lernen. In Montessori-Klassen gibt es alternative sehr profunde Dokumentationen über die Arbeits- und Entwicklungsfortschritte der Kinder in den jeweiligen Entwicklungsstufen.

Eine konstruktive Feedback-Kultur, welche im Lernkatalog dokumentiert wird, findet über das ganze Jahr statt; „Zeugnisgespräche“ gemeinsam mit SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen, die auf ausführlicher individueller Dokumentation basieren, das Arbeits- und Sozialverhalten reflektieren und die Selbsteinschätzungen der SchülerInnen fördern, finden zweimal im Jahr statt. Qualifikationen, wie soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung, werden somit stark gefördert.


Reformpädagogische Einflüsse und Freiarbeit sind doch längst Bestandteil an Regelschulen, braucht man spezifische „Montessori-Klassen“?

Freiarbeit bildet bei Montessori klar den Schwerpunkt im schulischen Alltag, der „normale“ Unterricht dient anders als in der Regelklasse nur zur Ergänzung. Das Kind wird als Baumeister seiner selbst gesehen und bestimmt somit seinen Lernprozess größtenteils selbst. Es funktioniert hier durch die zusätzliche Schaffung von Rahmenbedingungen: das spezielle Arbeitsmaterial, die Lehrerrolle auf Augenhöhe, die Freiheit der Wahl. Somit stellt Montessori-Unterricht nach wie vor eine pädagogische Besonderheit dar, die nicht so ohne weiteres vom Regelsystem ersetzt werden wird.


Ist der Wunsch nach der Reformpädagogik Montessori nur ein Bestreben einzelner Eltern nach einer elitären Bildungsform für ihre Kinder?

Nein, Reformpädagogik ist eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Schulsystem. Sie hat sich bereits seit vielen Jahren bewährt. In Österreich besteht vielerorts ein regelrechter Ansturm und ist somit keine neue Idee Einzelner. In Vorarlberg wird bereits an 18 Schulen in elf Gemeinden Montessori-Unterricht erfolgreich angeboten. So z.B. auch als Wahlzweig an den öffentlichen Volksschulen in unseren Nachbargemeinden Lustenau und Hard. Das Angebot und die Nachfrage steigen in den letzten Jahren stetig. Der Vorwurf vom elitären Schulzweig ist dadurch begründet, dass das Schulgeld von privaten Einrichtungen nicht von allen Familien getragen werden kann. Durch das Angebot an öffentlichen Schule entfällt der finanziellen Aspekt und somit wird diese Bildungsform für alle zugänglich.


Haben Montessori-Grundschüler Probleme beim Übergang zu einer weiterführenden Regelschule?

Wie die Erfahrungen zeigen, ist dies eine Befürchtung, die sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, Montessori-Schüler sind in der Lage, sich Lerninhalte selbst zu erarbeiten.
Sie haben das selbstständige Lernen gelernt und durch die anschaulichen Materialien grundlegendes Wissen gefestigt. Langjährige Erfahrungen in Österreich bestätigen, dass die Übertritts-Quoten von Montessori-SchülerInnen in höhere Schulen gleich oder sogar höher sind und diese begonnenen Bildungswege auch mit vergleichbarem Erfolg abgeschlossen werden. Um Schüler auf dem Weg in die AHS / NMS zu unterstützen, gibt es in der vierten Schulstufe Schularbeiten, vorbereitende Hausaufgaben und ein Notenzeugnis.


Montessori-Unterricht wird oft gleichgesetzt mit „Kinder können das tun was sie wollen“. Ist dem so?

Freiheit und Disziplin gehören untrennbar zusammen. Indem die Kinder ihre Arbeit frei nach ihrem Interesse wählen können und damit ihre Aufmerksamkeit ganz auf das Lernobjekt ihrer Wahl konzentriert, „polarisiert“ ist, herrscht in Montessori-Klassen eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Die Kinder sind gefordert Rücksicht auf die anderen zu nehmen und vertiefen sich ganz in ihre eigene Tätigkeit, an die man sich übrigens bindet, bis sie vollendet ist. Ordnung spielt eine wichtige Rolle und muss von allen gewissenhaft eingehalten werden. Der Tagesablauf ist klar strukturiert, auch hier existieren klare Vorgaben.


Führt die Einführung einer Montessoriklasse an einer öffentlichen Schule zu Unruhen im Schulaltag?

Veränderungen bringen Bewegungen mit sich, die teilweise als Unruhen gesehen werden, aber auch auch als eine positive Weiterentwicklung. Durch die Methodenwahlfreiheit der Lehrer ist bereits jetzt schon eine Vielfalt gegeben, womit Montessori-Unterricht nur eine weitere Ergänzung wäre. Der möglichen Verunsicherung bei Eltern und Lehrerkollegium, kann mit Öffentlichkeitsarbeit und fundierten Informatione entgegengewirkt werden. Auch eine konstruktive Planungsphase im Vorfeld in enger Zusammenarbeit mit Gemeinde, Schulleitung und betroffenen Gruppen wirkt Unruhen bewährt entgegen.